Beispiel Eurofighter – Part 1

von Stefan Köhler

Fragliche Einsatzbereitschaft bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr verfügt über zahlreiche Panzer, Schiffe und Luftfahrzeuge wie das Kampfflugzeug Eurofighter. Doch nur ein kleiner Teil davon ist einsatzbereit.

Einige Beispiele:

Vom Kampfpanzer Leopard 2 sind 99 von 244 einsatzbereit.

Vom Schützenpanzer Marder sind 222 von 388 verfügbar.

Vom Kampfhubschrauber Tiger sind 12 von 27 bereit für den Einsatz.

Vom Transporthubschrauber NH90 sind 9 von 48 einsatzbereit.

 

All diese Zahlen variieren, je nach Quelle und der Definition von Ensatzbereitschaft. Sicher ist jedoch, dass von den sechs U-Booten der Klasse 212 derzeit kein einziges verfügbar ist. Die liegen alle in der Werft. Von den mittlerweile überalterten Tornado-Kampfjets (Erstflug 1974) sind noch etwa 90 Exemplare vorhanden – von vormals rund 360 Stück. Als einsatzbereit gelten jedoch nur 28.

Die Royal Air Force will ihre verbliebenen Tornados bis März 2019 ausmustern und durch zweisitzige Eurofighter ersetzen. Die britischen Typhoon verfügen über eine breite Palette von Bewaffnungsoptionen für den Bodenkampf, darunter Abstandsflugkörper Storm Shadow, Luft-Boden-Flugkörper Brimstone sowie gelenkte und ungelenkte Bomben.

 

… und der Tornado?

Laut neusten Planungen von Verteidigungsministerin von der Leyen sollen die deutschen Tornados bis 2025 oder besser noch bis 2035 fliegen. Dabei könnte der Tornado sehr leicht durch den Eurofighter ersetzt werden. Das Waffensystem des Kampfflugzeugs Eurofighter Typhoon steht seit 2004 bei der Luftwaffe im Dienst. 128 von 140 bestellten Maschinen sind vorhanden, als einsatzbereit gelten nur 39. Als voll kampfbereit sind vier eingestuft, dabei müssen jedoch allein für die Bündnisverpflichtungen innerhalb der Nato 82 Exemplare als klar gemeldet sein. Grundsätzlich bedeutet das, dass Deutschland seine Aufgaben in der Nato nicht mehr länger wahrnehmen kann.

Allein vor diesem Hintergrund sind Äußerungen der Verteidigungsministerin über eine Beteiligung an Luftschlägen in Syrien – lassen wir die Politik mal außer Acht – als fragwürdige Debattenbeiträge einzustufen.

Zudem können die deutschen Eurofighter in der Luft-Boden-Rolle derzeit allenfalls gelenkte Bomben vom Typ GBU-48 einsetzen. Die Einrüstung des weitreichenden Marschflugkörpers Taurus ist geplant. Ebenso sollen Anti-Radar-Lenkwaffen AGM-88 HARM und Luft-Boden-Raketen Brimstone nutzbar sein. Die Luft-Luft-Lenkwaffe Meteor mit einer Reichweite von ca. 200 Kilometern steht ebenfalls auf der Planungsliste.

 

Irgendwann einmal. Wenn das Geld vorhanden ist.

 

Das Rückrat der Luftwaffe: das Kampfflugzeug Eurofighter

Zurzeit ist der Eurofighter in der Luftwaffe nur zur Luftverteidigung einsetzbar, dazu nutzt er die Bordkanone BK27, Lenkwaffen vom Typ IRIS-T (infrarotgelenkt, Reichweite: 25 Kilometer) und AIM-120 AMRAAM (radargelenkt, Reichweite: ca. 50-75 Kilometer).

 

Dazu erlaube ich mir eine kleine Anmerkung: Bei 140 Eurofightern, die jeweils vier (maximal acht) AMRAAM tragen können, müssten im Bestand der Luftwaffe mindestens 560 Exemplare vorhanden sein, um alle Flugzeuge mindestens einmal bestücken zu können. Rechnen wir noch weitere 40 Lenkwaffen dazu, denn normalerweise sollten Piloten einmal alle zwei Jahre den scharfen Schuss mit Raketen üben, so eine NATO-Vorgabe. Sagen wir also, es sollten rund 600 AMRAAM in den Waffenlagern der Luftwaffe verfügbar ein, und das ständig, rund um die Uhr.

Raten Sie mal: Wie viele AIM-120 sind vorhanden?

Es sind etwa 40 Stück.

Das heißt, die Luftwaffe kann nur 10 ihrer Eurofighter mit jeweils vier AMRAAM beladen, für den ganzen Rest bleiben nur einige IRIS-T.

 

Fragwürdiger Beschaffungsprozess

Eine Anmerkung mit Blick auf die Geschichte erlaube ich mir auch noch: Das Waffensysteme gekauft und in Dienst gestellt werden, die nicht über alle notwendigen Fähigkeiten für den Einsatz verfügen, ist bei der Bundeswehr schon fast Tradition. So war es beim Schützenpanzer HS30, bei dem später die Vermutung aufkam, dass das ganze Beschaffungsprogramm nur dazu diene, Gelder für die politischen Parteien zu waschen. Es war so beim Starfighter, auf den ich bei anderer Gelegenheit noch näher eingehen werde. So war es bei der F-4F Phantom II, die von 1973 bis 2013 den Luftraum über Deutschland sicherte. Als die Phantom für die Luftwaffe beschafft wurde, war das Muster bereits ausgereift und kampferprobt. Man hätte die damals verfügbare F-4E einfach so kaufen können, und damit – für die damalige Zeit – ein Kampfflugzeug mit hervorragenden Fähigkeiten im Luft- und Bodenkampf gehabt.

 

Aber es musste ja wieder ein deutscher Sonderweg eingeschlagen werden

Das Kampfflugzeug F-4F sollte nur in der Luftverteidigung eingesetzt werden, also verzichtete man auf die Luft-Boden-Fähigkeiten. Auf die Flugkörper AIM-7 Sparrow mit halbaktiver Radarlenkung und großer Reichweite verzichtete man ebenfalls. Jahrelang musste unsere Piloten mit der 20-Millimeter-Bordkanone und veralteten AIM-9B Sidewinder auskommen. In den 1980er-Jahren wurden dann die modernen AIM-9L verfügbar gemacht. Ebenso benötigte man nun wieder die Fähigkeiten zur Bodenzielbekämpfung. Auch diese musste für viel Geld wieder eingerüstet werden. In den 1990ern erhielt ein Teil der verbliebenen F-4F eine Kampfwertsteigerung, dabei wurden neue Radargeräte und die AIM-120 AMRAAM zur Nutzung gebracht. Mehr als zwanzig Jahre, nachdem die Phantom in den Dienst der Luftwaffe gestellt worden war, verfügte sie wieder über die gleichen Fähigkeiten, über die man schon 1973 hätte verfügen können. Dies ist, und das möchte ich betonen, nicht der Luftwaffe anzulasten, sondern einem undurchschaubaren Dschungel aus Beschaffungsmaßnahmen und einer Politik, die zwar alles für die Wirtschaft, jedoch nichts für das Militär zu tun bereit ist.

 

Trotz allem ist der Eurofighter ein potentes Kampfflugzeug

Wir sehen, der Eurofighter im Dienste unserer Bundesrepublik ist sozusagen erblich vorbelastet. Auch hier wurde ein Waffensystem in Dienst gestellt, dass nicht über alle Fähigkeiten verfügt, die es im Einsatz benötigt. Diese werden erst nach und nach eingerüstet, was Zeit und Geld kostet. Andere Nationen kaufen ihre Eurofighter komplett einsatzbereit. Und der Typhoon ist hervorragend, sonst würde er sich nicht so gut verkaufen. Mehr als 500 Stück wurden gebaut, weitere 100 sind bestellt. Zu den Nutzern zählen neben Deutschland Großbritannien, Spanien, Italien, Katar, Kuwait, Österreich, Oman und Saudi-Arabien.

Bei Übungsluftkämpfen gegen Kampfflugzeuge vom Typ F-15, F-16, F/A-18, Mirage 2000 und Rafale schnitt der Eurofighter sehr gut ab. Allein die F-22 war aufgrund ihrer Tarnkappen-Fähigkeit überlegen, jedoch gelang es deutschen Eurofighter-Piloten, die Raptor im Nahkampf auszukurven und simuliert abzuschießen. Dies sorgte auf der anderen Seite des Atlantiks für erhebliches Aufsehen, denn die Raptor galt als unbesiegbar.

Bei Einsätzen über Libyen bewährten sich die Typhoon auch in der Luft-Boden-Rolle.

Eine Marine-Variante für den Einsatz auf Flugzeugträgern wird zumindest angeboten, jedoch noch nicht bestellt.

Airbus bietet der Luftwaffe gerade eine verbesserte Version des Eurofighters an, der für die Luft-Boden-Rolle voll tauglich sein soll. Aus dem Eurofighter einen Jagdbomber zu machen, wird aber wieder viel Zeit und viel Geld in Anspruch nehmen … und der Bundeswehr fehlt beides. Außerdem sollte man nicht vergessen, dass Airbus bereits seit 2004 versucht, das Kampfflugzeug Typhoon bei der Luftwaffe einsatzbereit zu machen. Der Erstflug erfolgte 1994, der Beginn der Entwicklung liegt im Jahre 1984. Zeit genug, um ein neues Flugzeug in den Griff zu bekommen, sollte man meinen …

 

 

Zum Autor

Stefan Köhler stand als KFOR- und ISAF-Einsatzveteran in Afghanistan im Kampfeinsatz und ist dort verwundet worden. Niemand vermag die Schrecken des Krieges so schonungslos aufs Papier zu bringen wie jemand, der sie am eigenen Leib erfahren hat. Stefan Köhler schreibt auf den Punkt, seine Texte lassen den Leser nicht mehr los.

Für den EK-2 Verlag hat er 2018 zwei Einsatzberichte beigesteuert: Krieg in Afghanistan und Im Fadenkreuz. Auch für das Jahr 2019 ist er als Autor der Reihe gesetzt.

 

Stefan Köhler ist der Autor mehrere Einsatzberichte. Finde seine Bücher auf Amazon:

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