Für unsere Veteranen

von Christian Schwochert

Tag der Veteranen in Berlin

Am Freitag, dem 01. Juni 2018, wurde der Veteranen der Bundeswehr gedacht, welche seit 1990 ihr Leben im Dienst für Deutschland gelassen haben. Dies geschah vor dem Reichstag in Berlin, allerdings ohne Beteiligung durch Vertreter der Politik. Lediglich ein paar Journalisten und einige Teilnehmer waren anwesend; und das bei einer Armee, die zu den bedeutendsten Streitkräften des europäischen Kontinents zählt.

Den Gefallenen zu Ehren streiften sich an jenem Freitag einige der Anwesenden ein blaues T-Shirt über. Auf der Rückseite stand die Aufschrift »#EinsatzVeteranen« und »#vergissmeinnicht«. Umrahmt von zwei Fahnenträgern standen schwarze und sandfarbene Militärstiefel vor den Stufen des Parlaments aufgereiht. Immer wieder nahm ein Mitglied des Bundes Deutscher EinsatzVeteranen ein stilisiertes Vergissmeinnicht und steckte es in einen der Stiefel.

Auf der Blüte aus Pappe prangte jeweils der Name eines verstorbenen Bundeswehrangehörigen, das Todesdatum und ein Hinweis auf sein Einatzkontingent. Und jede Minute ein Glockenschlag. 111 kamen an jenem Freitag insgesamt zusammen. 108 für die in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr gefallenen Soldaten; ein Schlag symbolisch für diejenigen, die in irgendeiner Weise verwundet aus dem Einsatz zurückkehrten; einer für die vielen unsichtbaren Veteranen unter uns und noch einer für die, die sich in einer dermaßen ausweglosen Situation befanden, dass sie Suizid begingen.

 

Trotz all des Schmerzes, den der Soldatendienst in letzter Konsequenz mit sich bringen kann, werden die deutschen Soldaten der Bundeswehr von einigen missachtet; andere begegnen ihnen sogar mit offener Feindschaft. Wieder andere sind ignorant gegenüber diesen Menschen, die sich für unser Land einsetzen. Dieselbe Ignoranz scheint auch in der Politik verbreitet zu sein, anders lässt sich die Abwesenheit ihrer Vertreter am Tag der Veteranen 2018 nicht erklären. Gewiss, einige haben vielleicht schlicht und einfach nichts davon gewusst, zumindest aber der Verteidigungsministerin darf man, denke ich, unterstellen, informiert gewesen zu sein.

Was Ursula von der Leyen umtreibt, lässt sich anhand ihres blinden Aktionismus erahnen, dem sogar das Foto von Helmut Schmidt in Uniform zum Opfer gefallen ist. Auch war sie es, die dafür gesorgt hat, dass die Bundeswehr künftig kein Liederbuch mehr an Soldaten ausgeben wird. Bis zum vergangenen Jahr galt die Regelung, dass an jede Soldatin und jeden Soldaten auf Wunsch ein Liederbuch der Bundeswehr unentgeltlich abgegeben wird.

 

Liederbuch der Bundeswehr wird abgeschafft

Die bisherige Ausgabe des Liederbuchs der Bundeswehr »Kameraden singt« von 1992 war im vergangenen Jahr gestoppt worden. Grund waren die darin enthaltenen Lieder wie »Schwarzbraun ist die Haselnuß«, »Westerwald« oder das »Panzerlied«, die auch schon von der Wehrmacht gesungen wurden. Übrigens haben die Wehrmachtssoldaten auch ein- und ausgeatmet und gegessen und getrunken. Etwas Harmloses zu verbieten, nur weil die Wehrmacht es auch gemacht hat, ist meines Erachtens lächerlich und zeugt vom Zeitgeist, welcher durch das Gehirn der Ministerin spukt. Ich jedenfalls sehe nicht ein, wieso man den Soldaten diese Lieder wegnehmen sollte!

 

Aber zurück zum Veteranentag: Ich finde, ein Land, das etwas auf sich hält, behandelt seine Veteranen mit Hochachtung und Respekt. Wer für das eigene Land sein Leben riskiert hat, verdient Wertschätzung, Anerkennung, Fürsorge und angemessene Versorgung, wenn er aus dem Felde zurückkehrt.

Das Mindeste wäre es gewesen, wenn die Politiker jener Parteien, die unsere Soldaten in Krisengebiete entsenden, beim Veteranentag anwesend sind, zumal die Veranstaltung direkt vor ihrer Tür stattfand. Ebenso könnte man erwarten, dass es einen Veteranentag als staatlichen Gedenktag gäbe, aber einen solchen gibt es in Deutschland bis heute nicht, obwohl der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (immerhin ein ehemaliger Soldat, der einer alten Offiziersfamilie entstammt) schon 2012 davon sprach.

Die auf de Maizières Initiative zum Stückpreis von 87 Cent beschafften zehntausend Veteranenabzeichen, die noch immer ihrer Verleihung harren, sind ein sprechendes Sinnbild für die »unsichtbaren Veteranen«, wie sie der Reserveoffizier Björn Schreiber in seinem Buch »Die unsichtbaren Veteranen: Kriegsheimkehrer in der deutschen Gesellschaft« bezeichnet.

 

Veteranen der Bundeswehr müssen selbst tätig werden

Ihren Veteranentag gestalten sich die Veteranen der Auslandseinsätze inzwischen selbst. Vor einem Jahr machten Mitglieder des Bundes Deutscher EinsatzVeteranen mit Mahnwachen und Aktionen vor Reichstag und Kanzleramt auf ihre unvergessenen Gefallenen und die unsichtbaren Veteranen der Bundeswehr aufmerksam.

Politiker ließen sich auch damals schon nicht bei den Veteranen blicken. In einem Land, das seit 1991 Soldaten in ferne Länder entsendet, ist das wahrlich eine Schande! Unsere Veteranen haben es verdient, mit Achtung und Respekt behandelt zu werden! Das Leiden und Sterben von Soldaten im Krieg gehört seit Jahrzehnten wieder zu Deutschland.

 

Wo bleibt der Respekt für unsere Veteranen?

Über den Sinn und die Berechtigung der Auslandseinsätze mag man streiten, aber meines Erachtens steht der Respekt für die Opferbereitschaft der Soldaten über jeder Diskussion. Kriegsheimkehrer wollen in diesem Land, welches sie beschützen möchten, ebenso in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben wie alle anderen auch. Und sie wollen nicht als Opfer wahrgenommen werden. Viele denken mit Stolz an ihre Einsätze zurück, an den besonderen Geist der Kameradschaft, das Gefühl, unter höchstem Einsatz Besonderes geleistet zu haben.

Und wenn die Regierung ihnen keinen Veteranentag gibt, dann gestalten sie sich selbst einen und leisten auch dabei gute Arbeit. Die Gesellschaft und auch die hohe Politik sollte unsere Soldaten endlich angemessen wertschätzen. Der Afghanistan-Veteran Björn Schreiber fragte einmal, warum das Totenbuch der Bundeswehr nicht im Bundestag liege? Also dort, wo die Entsendung deutscher Soldaten in den bewaffneten Einsatz beschlossen wird. Politiker, die solche Fragen vielleicht beantworten könnten, sind wie gesagt an jenem Freitagnachmittag nicht erschienen.

 

Immerhin schauten einzelne Besucher Berlins neugierig und fragten die Frauen und Männer mit den blauen T-Shirts nach dem Grund ihrer Aktion. Hier und da bildeten sich kleine Gesprächsgruppen. Manche Unterhaltung wird auf Englisch geführt. Auf diese Weise erfuhren wenigstens einige Leute davon, was unsere Soldaten durchmachen mussten.

 

Zum Autor

Geboren im Jahre 1991 in Berlin, tritt Christian Schwochert als Autor von politischen Artikeln und Romanen in Erscheinung. Seine Passion ist die Geschichte des deutschen Hochadels, was sich in seinen Texten widerspiegelt.

Im August 2018 erscheint Einsatzbericht – Von Sedan nach Paris, Christian Schwocherts erster Beitrag zum EK-2 Programm.

 

Auf Amazon steht die Kindle-Version bereits zum Vorbestellen bereit:

Einsatzbericht – Von Sedan nach Paris

 

Vom Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr erzählt unser Einsatzbericht – Krieg in Afghanistan:

Einsatzbericht im EK-2 Online-Shop

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